Manch einer denkt, in der Wikipedia könne man Wissen sammeln, kann doch jeder beliebige Artikel frei edititeren. Möglich ist dies, solange der Artikel nicht einem Löschantrag zum Opfer fällt. Ein Großteil der Löschanträge, die offensichtlich Wissen vernichten, beziehen sich auf die Regeln der enzyklopädischen Relevanz. Diese besagen grob, dass nicht jede Person, nicht jeder Verein, nicht jede Organisation und nicht jede Firma relevant ist. Ein Kernsatz ist auch:
Es ist wichtig, die Relevanzbewertung nicht an persönlichen Meinungen, sondern an klaren Kriterien auszurichten.
Da sich natürlich nicht jeder an diese klaren Kriterien hält, gibt es Administratoren. Diese behandeln die von normalen Nutzern beantragten Löschungen nach vorheriger Diskussion. Hierzu gibt es klare Regeln, u.a.:
Eine Löschung ist eine sehr rigide Maßnahme und sollte daher das letzte Mittel sein.
Auch Schnelllöschungen sind unter strengen Richtlinien ohne Diskussion möglich, wenn z.B. Rechte verletzt werden.
Sehen wir uns als Beispiel einmal eine besonders lange Löschdiskussion an: Allimania
Allimania ist ein Hörspiel, das in der World of Warcraft spielt. Ich habe von mehreren realen Personen unabhängig voneinander von diesem Hörspiel erfahren, was auf eine gewisse Relevanz in Spielerkreisen hindeutet. Auch 30.300 Google-Ergebnisse sind für ein so spezielles Hörspiel, das nur in deutscher Sprache existiert, eine stattliche Zahl; die Anzahl der Downloads für die erste Folge liegt bei über 95.000 und Oliver Rohrbeck, besser bekannt als Justus Jonas von den ???, hat einen Gastauftritt in Folge 13.
Liest man die vielen Kommentare, so zeigt sich, dass ein relativ großer Personenkreis Interesse am Erhalt des Artikels hat. Vielfältige Begründungen berufen sich v.a. auf die damals leider unbelegten hohen Downloadzahlen und darauf, dass Allimania ein Stück Internetkultur ist, wie auch die erfolgreichen Parodien Sinnlos im Weltraum und Lord of the Weed, deren Artikel mittlerweile gelöscht sind.
Die Argumente der Gegenseite beschränken sich hauptsächlich auf die oben angesprochene enzyklopädische Relevanz, die allerdings an keiner Stelle widerlegt wird. Das rege Interessse an der Löschdiskussion scheint nicht als Relevanzkriterium zu reichen, denn die Bedingungen werden von einer Löschstimme verschärft:
die hier immer wieder behauptete Relevanz im Artikel belegen
Auch Vergleiche werden aufgestellt:
Downloadstatistiken sind noch lange kein Grund, dass sowas in eine Enzyklopädie gehört. Pornographie im Internet hat bei weitem höhere Downloadzahlen, nehmen wir deswegen jede Sex-Film-Fan-Parodie, oder was auch immer, in die Enzyklopädie auf? Nein! LÖSCHEN
Eine Stimme, die offensichtlich jegliche Meinungsäußerung unterbinden will, gibt es auch:
Löschen und wenn es schon wieder so eine überlange Debatte werden sollte, nach 30 Postings schnelllöschen
Doch auch hier fehlt jegliche Widerlegung der enzyklopädischen Relevanz.
Schlußendlich wird der Artikel mit einer klaren, objektiven, für alle verständlichen Begründung gelöscht:
Gelöscht, Sockenpuppen bitte woanders tanzen –Markus Schweiß, @ 21:14, 3. Mai 2006 (CEST)
Die folgende Kritik an dieser Entscheidung, die noch einmal etwa halb so lang ist wie die bisherige Diskussion, wird vom löschenden Admin nicht mehr kommentiert.