Archiv für die Kategorie ‘Wikipedia’

SPON und die Wikipedia

Freitag, 30. Oktober 2009 von Gian

Ich habe eigentlich nur ein Wort zu sagen (abgesehen von den Wörtern die vor und in dieser Klammer stehen): Jucheee!

Da das für einen Blogeintrag aber ziemlich wenig wäre, verlinke ich noch zwei sehr lesenswerte Artikel. Das Jucheee! bezieht sich hierbei vor allem auf den grandiosen Beitrag auf Spiegel Online, dessen Relevanz sogar für einen Artikel auf Wikipedia reicht - obwohl es sich um um ein Internetphänomen handelt:

SPON Netzwelt-Ticker: Wikipedia-Autoren ziehen in den Löschkrieg - gegen Katzen

Dort verlinkt, aber eine besondere Erwähnung wert, ist die ebenfalls grandiose Zusammenfassung der Relevanzkriterien der deutschen Wikipedia:

Aggregat 7: 99% aller Deutschen sind irrelevant

Von Hörspielen und enzyklopädischer Relevanz

Dienstag, 02. Juni 2009 von Gian

Manch einer denkt, in der Wikipedia könne man Wissen sammeln, kann doch jeder beliebige Artikel frei edititeren. Möglich ist dies, solange der Artikel nicht einem Löschantrag zum Opfer fällt. Ein Großteil der Löschanträge, die offensichtlich Wissen vernichten, beziehen sich auf die Regeln der enzyklopädischen Relevanz. Diese besagen grob, dass nicht jede Person, nicht jeder Verein, nicht jede Organisation und nicht jede Firma relevant ist. Ein Kernsatz ist auch:

Es ist wichtig, die Relevanzbewertung nicht an persönlichen Meinungen, sondern an klaren Kriterien auszurichten.

Da sich natürlich nicht jeder an diese klaren Kriterien hält, gibt es Administratoren. Diese behandeln die von normalen Nutzern beantragten Löschungen nach vorheriger Diskussion. Hierzu gibt es klare Regeln, u.a.:

Eine Löschung ist eine sehr rigide Maßnahme und sollte daher das letzte Mittel sein.

Auch Schnelllöschungen sind unter strengen Richtlinien ohne Diskussion möglich, wenn z.B. Rechte verletzt werden.

Sehen wir uns als Beispiel einmal eine besonders lange Löschdiskussion an: Allimania

Allimania ist ein Hörspiel, das in der World of Warcraft spielt. Ich habe von mehreren realen Personen unabhängig voneinander von diesem Hörspiel erfahren, was auf eine gewisse Relevanz in Spielerkreisen hindeutet. Auch 30.300 Google-Ergebnisse sind für ein so spezielles Hörspiel, das nur in deutscher Sprache existiert, eine stattliche Zahl; die Anzahl der Downloads für die erste Folge liegt bei über 95.000 und Oliver Rohrbeck, besser bekannt als Justus Jonas von den ???, hat einen Gastauftritt in Folge 13.

Liest man die vielen Kommentare, so zeigt sich, dass ein relativ großer Personenkreis Interesse am Erhalt des Artikels hat. Vielfältige Begründungen berufen sich v.a. auf die damals leider unbelegten hohen Downloadzahlen und darauf, dass Allimania ein Stück Internetkultur ist, wie auch die erfolgreichen Parodien Sinnlos im Weltraum und Lord of the Weed, deren Artikel mittlerweile gelöscht sind.

Die Argumente der Gegenseite beschränken sich hauptsächlich auf die oben angesprochene enzyklopädische Relevanz, die allerdings an keiner Stelle widerlegt wird. Das rege Interessse an der Löschdiskussion scheint nicht als Relevanzkriterium zu reichen, denn die Bedingungen werden von einer Löschstimme verschärft:

die hier immer wieder behauptete Relevanz im Artikel belegen

Auch Vergleiche werden aufgestellt:

Downloadstatistiken sind noch lange kein Grund, dass sowas in eine Enzyklopädie gehört. Pornographie im Internet hat bei weitem höhere Downloadzahlen, nehmen wir deswegen jede Sex-Film-Fan-Parodie, oder was auch immer, in die Enzyklopädie auf? Nein! LÖSCHEN

Eine Stimme, die offensichtlich jegliche Meinungsäußerung unterbinden will, gibt es auch:

Löschen und wenn es schon wieder so eine überlange Debatte werden sollte, nach 30 Postings schnelllöschen

Doch auch hier fehlt jegliche Widerlegung der enzyklopädischen Relevanz.

Schlußendlich wird der Artikel mit einer klaren, objektiven, für alle verständlichen Begründung gelöscht:

Gelöscht, Sockenpuppen bitte woanders tanzen –Markus Schweiß,  @ 21:14, 3. Mai 2006 (CEST)

Die folgende Kritik an dieser Entscheidung, die noch einmal etwa halb so lang ist wie die bisherige Diskussion, wird vom löschenden Admin nicht mehr kommentiert.

Die freie Enzyklopädie

Freitag, 01. Mai 2009 von Jedi

Es gibt Unterschiede zwischen Wikipedia und Wikipedia. Die eine bezeichnet sich selbst als „freie Enzylopädie“, die andere als „free encyclopedia“. Die englischsprachigen Leser wissen natürlich, dass „free“ verschiedene Bedeutungen haben könnte.

In der freien Enzyklopädie hat jeder die Freiheit, Beiträge zu ändern, zu kürzen, eben (inhalts)frei zu gestalten. In der free encyclopedia ist jeder frei, Wissen festzuhalten, Beiträge zu ergänzen und neu zu erstellen.

Ein Versionsvergleich zum Thema RGB-Farbraum zeigt, dass tatsächlich Inhalt verschwindet, ersatzlos gelöscht wird, weil ein gewisser Friedrich Graf es sinnvoll fand, wenig - aber nützlichen - Inhalt durch keinen Inhalt zu ersetzen.

Ohne Erklärung versteht diese Formel niemand. Mit Erklärung gehört sie nicht zum Thema.

Diese Aussage ist so nicht ganz korrekt, oder als Beleidigung zu verstehen. Denn verstanden haben die Formel mindestens drei von drei spontan befragten Menschen (siehe hierzu auch die 150-prozentige Ausfallquote bei T-Mobile).

Also fangen wir hier mit der konstruktiven Kritik an, nachdem bisher nur gemeckert wurde.
Welche Möglichkeiten, mit denen er nicht überfordert gewesen wäre, hätte Herr Graf gehabt?

  • Verschieben der Formel zu einem passenden Thema. Ein passenderes Thema müsste natürlich zunächst gefunden werden.
  • Erklären der Formel in einer für alle Menschen verständlichen Form. Dies erfordert natürlich vorhergehendes Verständnis der Formel.
  • O.b.d.A. sei Herr Graf nicht niemand. So folgt aus seiner eigenen Begründung, dass er die Formel nicht verstanden hat. Wenn ich kurz suche, finde ich sicher einige Artikel in der deutschen Wikipedia, die ich nicht vollständig verstehe (als Fan von eingeschobenen Klammersätzen sei an dieser Stelle insbesondere erwähnt, dass niemand der Autoren des Artikels über Calciumhydroxid es als selbstverständlich empfand, dass Calciumhydroxid das Hydroxid des Calciums ist und dieser Hinweis daher den einleitenden Satz des Artikels bildet). „Finger Weg!“ wäre also eine weitere Alternative gewesen.